Der Weg zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
Hier findest du die wichtigsten Informationen, wenn du über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenkst. Du hast das Recht auf Information, Beratung und medizinische Versorgung.
1. Feststellung der Schwangerschaft
Wenn du vermutest, dass du schwanger bist, kannst du dies mit einem Schwangerschaftstest überprüfen. Handelsübliche Schwangerschaftstests, die du in der Drogerie oder der Apotheke kaufen kannst, zeigen etwa zwei Wochen nach der Befruchtung, also an dem ersten Tag, an dem eine Periode kommen sollte, ein sicheres Ergebnis.
Für weitere Schritte brauchst du häufig eine ärztliche Bestätigung der Schwangerschaft, zum Beispiel in einer gynäkologischen Praxis. Dort wird:
- die Schwangerschaft bestätigt
- festgestellt, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist
- geklärt, welche Abbruchmethode für dich infrage kommt
Falls du noch eine*n Gynäkolog*in suchst, kannst du z.B. über die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung eine Praxis in deiner Nähe finden.
Gerade bei ungeplanten oder auch ungewollten Schwangerschaften kann es eine ziemliche Hürde sein, in einer Praxis anzurufen und zu sagen, dass man schwanger ist und erwägt, die Schwangerschaft nicht ausgetragen. Wir helfen dir gerne dabei eine Praxis zu kontaktieren und einen Termin auszumachen
2. Rechtlicher Rahmen in Deutschland
Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland straffrei, wenn:
- du eine verpflichtende Schwangerschaftskonfliktberatung besucht hast
- der Abbruch innerhalb der ersten 14 Schwangerschaftswochen erfolgt, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Periode, also zwölf Wochen nach der Befruchtung der Eizelle.
- zwischen Beratung und Abbruch mindestens drei Tage Bedenkzeit liegen
In folgenden Ausnahmefällen ist keine Beratungspflicht notwendig und die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten:
- Gefahr für dein Leben oder deine Gesundheit (sogenannte Medizinische Indikation)
- Schwangerschaft nach Vergewaltigung (sogenannte Kriminologische Indikation)
3. Pflichtberatung
In Deutschland musst du vor einem Schwangerschaftsabbruch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatung aufsuchen.
Dort kannst du:
- über deine Gedanken, Zweifel oder Gefühle sprechen
- Informationen zu Ablauf, Methoden und Risiken erhalten
- Hilfe bei Arztterminen oder Anträgen bekommen
- den Beratungsschein erhalten, den du für den Abbruch brauchst
Wichtig: Du musst nichts sagen, was du nicht sagen möchtest. Niemand darf dich zu einer bestimmten Entscheidung drängen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Anerkannte Beratungsstellen findest du hier.
4. Kosten und Kostenübernahme
Ein Schwangerschaftsabbruch kostet je nach Methode etwa 300 bis 700 €.
In der Regel übernimmt die Krankenkasse diese Kosten nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du jedoch eine Kostenübernahme beantragen.
Anspruch auf Kostenübernahme haben Personen mit
- geringem Einkommen
- Bezug von Sozialleistungen (zum Beispiel Grundsicherung, BAföG)
- Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
- Unterbringung in einer Einrichtung der Jugend- oder Sozialhilfe
Einkommensgrenzen: bis 1.500 € netto pro Monat, plus 356 € für jedes minderjährige Kind. Eine weitere Erhöhung der Grenze um maximal 440 € ist möglich bei hohen Mietkosten über 440 €.
Wichtig: Die Kostenübernahme musst du vor dem Abbruch bei einer gesetzlichen Krankenkasse beantragen (auch wenn du dort nicht versichert bist). Du erhältst dann einen Schein, den du beim Termin vorzeigen musst.
5. Den Abbruch organisieren
Nach Beratung und Kostenklärung kannst du einen Termin vereinbaren. Listen mit Praxen und Kliniken findest du hier.
6. Methoden des Schwangerschaftsabbruchs
Medikamentöser Abbruch
Der medikamentöse Abbruch ist nur bis zur neunten Woche nach der letzten Periode, also der siebten Woche nach der Befruchtung möglich. Du nimmst zwei Medikamente (Mifepriston und Misoprostol) im Abstand von 24 bis 48 Stunden ein. Diese beenden die Schwangerschaft und lösen eine Blutung aus, ähnlich einer starken Periode.
Operativer Abbruch (Absaugmethode)
Bei der operativen Methode wird das Schwangerschaftsgewebe schonend abgesaugt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und erfolgt mit lokaler Betäubung oder Vollnarkose.
7. Nach dem Abbruch
Körperlich:
Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein häufiger medizinischer Eingriff und verläuft in den meisten Fällen ohne Komplikationen.
Trotzdem gilt:
- Blutungen können einige Tage bis Wochen auftreten
- Bei Fieber, starken Schmerzen oder sehr starker Blutung solltest du ärztliche Hilfe aufsuchen
- Eine Nachuntersuchung wird grundsätzlich empfohlen
- Die nächste Periode kann sich verschieben
- Eine erneute Schwangerschaft ist sofort möglich.
Mental:
Ein Schwangerschaftsabbruch allein erhöht nicht das Risiko für psychische Erkrankungen. Personen, die medizinisch und emotional gut begleitet werden, leiden nicht häufiger unter psychischen Problemen als die, die ein ungewolltes Kind austragen. Dennoch erleben Menschen sehr unterschiedliche Gefühle: Erleichterung, Traurigkeit, Zweifel, Leere oder auch gar nichts davon. Das alles ist normal und darf sein.
Wenn du damit nicht allein sein möchtest, gibt es Beratungsstellen, anonyme Hotlines und Online-Angebote, die dich unterstützen.
Bei weiterführenden oder individuellen Fragen, meldet euch gerne bei uns!
